Zweckdienliche Hinweise

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Vielleicht ist ein Krieg im Gange.

Vielleicht gibt es auf der einen Seite die Guten, das Gute und auf der anderen die Bösen, das Böse. Die Erwachten, die Schlafschafe. Die Solidarischen, die Covidioten.

Vielleicht ziehen Mächtige die Fäden.

Vielleicht handeln alle Akteure nach bestem Gewissen.

Vielleicht sind die Akteure im Blindflug unterwegs.

Es sind Gräben und Risse entstande, das hat schon jeder bemerkt – „mitten durch die Familien und Gemeinschaften“. Es müssen Themen umschifft, Elefanten im Raum ausgeblendet werden.

Wie werden wir diese Gräben zuschütten? Was wird die Kraft sein, die uns von den gegenseitigen Vorwürfen und Zuschreibungen befreien wird? Werden sich alle beieinander entschuldigen und einander lachend, weinend in die Arme fallen?

Wartet jeder darauf, dass die „andere Seite“ ein Einsehen hat oder einen Reality-Check verpasst bekommt? Dass die Anzahl der Impftoten die Geimpften aufweckt? Dass die Anzahl der Covid-Toten die Impfkritiker aufweckt?

Wie wird der Anfang gemacht?

Was verbindet uns abseits unserer Meinungen?

Können wir in herzlicher Verbundenheit mit jemandem sein, der oder die Meinungen vertritt, die mit unseren Meinungen unvereinbar sind?

Die dazu nötigen Fertigkeiten scheinen uns nicht in die Wiege gelegt worden zu sein. Meinungen scheinen so wichtig zu sein. Andere Möglichkeiten des Zusammenseins scheinen so schwer zu etablieren zu sein.

Das scheint vorstellbar: Miteinander lachen, einander in die Augen sehen, in Berührung kommen. Da regt sich gleich Widerstand. Da wird es gleich esoterisch und jetzt soll man sicher gleich einen Baum umarmen. Diesen Widerständen zu begegnen ist unangenehm.

Aber:

Miteinander lachen,

einander in die Augen sehen,

in Berührung kommen.

Und natürlich: Spielen! Erst recht wir Erwachsenen.

Weitere zweckdienliche Hinweise erbeten.

Wähle deine Reaktion!
  • Gut geschrieben!!

    Zweckdienliche Hinweise: den Elefanten im Raum definitiv ansprechen. Schweigen wird als Zustimmung gedeutet.

    Wie wird der Anfang gemacht? Das geht nur im Kleinen und fängt bei einem selber an. Die ganze Welt kann unmöglich gerettet werden. Aber wenn man seinem nächsten Umfeld ein Vorbild ist, dann überträgt das sich auch auf das nahe Umfeld und später auf die gesamte Gesellschaft.

    Was verbindet uns Menschen miteinander? Wir alle wollen einen sicheren und trockenen Ort haben, ein Dach über den Kopf. Dann selbstverständlich was zum Essen. Gefolgt von Gesundheit sowie wertschätzende und verlässliche Beziehungen. Diese Bedürfnisse sind bei allen Menschen gleich.

    Wir können in herzlicher Verbindung miteinander leben, obwohl unterschiedliche Meinungen zu verschiedenen Themen existieren. Ich vertrete auch die Meinung, dass wir die nötigen Fertigkeiten besitzen, um in einer Gemeinschaft zu leben. Aber woran liegt es, dass man sich heutzutage wegen Kleinigkeiten in die Haare kriegt? Das liegt an der Spaltung. Spaltung in schwarz – weiß, Mann – Frau, links – rechts und noch zig andere Unterteilungen. Es werden Probleme geschaffen, die noch mehr Öl ins Feuer gießen. Mich interessiert, warum diese Themen so polarisieren und die Leute gegeneinander aufbringt. Mir ist es egal, ob jemand links oder rechts ist, so lange es nicht in den Extremismus reingeht. Dies gilt ebenso für den Glauben. Es ist mir auch egal, woher die Leute kommen. Wichtig ist mir aber, dass die Menschen die mich umgeben, ein ähnliches Wertesystem besitzen wie ich. Trotzdem schließe ich per se nicht Menschen aus, nur weil sie mir fremd erscheinen. Mit Nazis? Mit denen rede ich. Obdachlose? Die behandele ich wie Menschen. Religiöse Hardliner? Denen höre ich zu. Den Anfang macht man damit, dass man den Menschen zuhört und mit ihnen spricht. Wie oft habe ich gehört, dass man nicht mit Nazis redet. Warum eigentlich nicht? Indem man den Dialog verweigert, kann sich doch nichts ändern! Außerdem bediene ich ja auch Vorurteile, wenn ich bestimmte Menschen ausschließe.
    Und was ist eigentlich eine Meinung? Als erstes: eine Meinung kann jeder haben! Jeder hat zu irgendwas eine Meinung. Insbesondere zu Themen, von denen man kaum Ahnung hat. Meinungen können sich so schnell ändern, wie sie entstanden sind. Anders sieht es aus, wenn Meinungen sich verfestigt haben. Dann wird es zu einer Einstellung.

    Aber neben den Meinungen und der eigenen Haltung zu den unterschiedlichen Themen gibt es noch andere Sachen, die die Menschen miteinander verbindet bzw. sie voneinander trennt. Sympathie und Antipathie. Den einen Menschen kann man so richtig gut leiden, weil er bei der ersten Begegnung schon so herzlich war und einen zum Lachen gebracht hat. Außerdem erinnern die Augen an irgendjemanden….egal, man mag die Person einfach.

    Widerstände beim Kennenlernen, beim Begegnen? Die kann es gerne geben. Man sollte nicht jeden vorbehaltslos ins Leben lassen, auch wenn man ähnliche Ansichten vertritt. Grenzen setzen ist dabei wichtig. Esoterisch kann es von mir aus da auch zugehen. Mit dem einem geht man in Resonanz und mit dem anderen halt nicht. Und Bäume umarmen? Auf jeden Fall!!! Bäume mögen uns Menschen zwar nicht so gerne (s. andere Meinung), aber sie sind bereit sich auf uns einzulassen. Suche dir einen Baum in deiner Nähe aus und probiere es mal und zwar regelmäßig. Erzähle mir dann mal von deinen Erfahrungen.

    • Danke für Deinen Kommentar.
      Ja, das Zuhören habe ich mir als Motto für diese Woche gesetzt. Weniger sprechen, mehr zuhören.
      Auch ich gehörte nie zu der Fraktion derer, die es unmöglich fanden, „Rechten“ eine Existenzberechtigung zuzugestehen. Ich kenne sogar FPÖ-Wähler, die ich als Menschen echt gerne habe und die ihr Herz wirklich am rechten=richtigen Fleck tragen. Ich habe früher oft darüber nachgedacht, warum es in Österreich sogar Meinungen gibt, die unter Strafe gestellt sind. Und seien es auch noch so „blöde“ Meinungen: gedacht werden darf alles und wenn es nach mir geht auch gesagt werden. Sonst eben – wie Du sagst – kein Dialog, keine Bewegung mehr – und Verdrängung in den Untergrund, wo dann noch Reaktanz dazu kommt. Und die Antwort war immer, nationalsozialistisches Gedankengut sei eben keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Und jetzt finde ich mich in einem Narrativ wieder, in dem meine Meinung mir nicht mehr als freie Meinung zugestanden wird, sondern als Gemeingefährdung wahrgenommen wird. Und sei meine Meinung zum Thema Impfen auch komplett unfundiert, von reiner Dummheit und Reaktanz genährt: Wenn ich es so wahrnehme, nach bester mir möglicher Gewissenserforschung, dann muss dafür in der Gesellschaft Platz sein. Ein allgütiger männlicher Gott ist auch total unwahrscheinlich und die vielen Menschen, die an ihn glauben, sind in unserer Mitte willkommen.
      Ich habe schon öfters Bäume umarmt, aber sie oder ich waren noch nicht bereit sich einzulassen …

  • Ich habe eine alte Freundin, die mich seinerzeit im Jahr 2014 (damals war ich noch aktiv auf Facebook) „entfreundet“ hat, weil wir zum Thema Ukraine unterschiedlicher Meinung waren. Irgendwann zwei Jahre später hat sie mich doch wieder kontaktiert, schließlich hatten wir in Sachen Pferde und Katzen viele Berührungspunkte: sie hatte mir vor vielen Jahren ein Pferd vermittelt und ich hatte ihr zwei junge Kater geschenkt … und deren Entwicklung und die netten Fotos wollte sie dann auch gerne wieder mit mir teilen. Von da an klammerten wir einfach das Thema Ukraine in unseren Gesprächen aus.
    Und so kam es diesen Herbst dazu, dass ich zufällig in ihrer Gegend war und sie kurzerhand kontaktierte. Wir verabredeten sofort, dass ich meinen Kurzurlaub um drei Tage bei ihr verlängerte. War ja eh Bahnstreik und ich hing dort oben im äußersten Norden der Republik fest.
    Ich wusste schon vorab, ohne, dass wir jemals über das Thema gesprochen hatten, dass sie auch in Bezug auf Corona sicher dem Mainstream folgte. Somit machte ich vorsorglich an dem Morgen einen Schnelltest, damit ich ihr bei Bedarf alle Sorgen nehmen konnte. Sie lachte darüber und fand das sehr entgegenkommend. Damit waren dann die Fronten geklärt. Sie wusste ja, dass ich alle meine Tiere aus Überzeugung nicht geimpft hatte und sie hat das bei den Katern auch so beibehalten. Somit war klar, über das Thema brauchen wir nicht diskutieren. Haben wir dann auch für drei Tage wunderbar geschafft. Wenn das Thema doch einmal aufkam, blieben wir beide sehr sachlich und höflich, keine versuchte irgendwie die andere zu überzeugen. Wir hörten uns halt an, was die andere zu sagen hatte und waren beide bemüht, das Thema so schnell wie möglich wieder vom Tisch zu bekommen.
    Einerseits fühle ich mich natürlich ein bisschen, als wenn ich meine eigene Meinung verrate. Andererseits führt meine Zurückhaltung tatsächlich dazu, dass meine Freundin mich wohl öfter als ein Beispiel dafür nimmt, dass die Schwurbler halt nicht alle blöd und ungebildet sind. Sie weiß mich und meine Toleranz nämlich sehr zu schätzen. Ich finde, damit ist auch schon viel gewonnen.

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