Frohe Weihnachten! Gesegnete Feiertage! Besinnliches Fest!

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So schallt es in diesen Tagen überall im Land. Was meinen wir damit? Das Weihnachten, das irgendwo tief in meiner Erinnerung vergraben ist, das aus meiner Kindheit? Als mein Vater die Wohnzimmertür absperrte und wir den ganzen Tag unsere Schallplatten anhörten und hofften, dass endlich das Glöckchen klingelt zur Bescherung?

Oder das Weihnachten, bei dem meine Mutter ständig unter Druck und Anspannung versuchte, doch einmal alles sauber und ordentlich zu haben und ein tolles Festessen zu zaubern, bei dem dann oft der ganze angestaute Druck sich Luft machte und es fast unweigerlich zu Streit und Tränen kam?

Oder das Weihnachten, als ich selbst Mutter war und nach vielen Jahren, in denen ich das Altbekannte mehr oder weniger bewusst wiederholt und selbst im Stress am Ende die Kinder angekeift hatte, endlich begriff, dass das Waschbecken im Bad nicht unbedingt frisch poliert sein muss, damit man zusammen feiern kann?

Weihnachten ist doch nur noch ein kommerzielles Spektakel. Die wirkliche Bedeutung scheint mir längst verloren gegangen. Die Christliche Bedeutung war tatsächlich immer eher gering. Das Hochfest der Christen ist Ostern, die Auferstehung. Die Geburt Christi wurde nur auf die alten heidnischen Riten „aufgepfropft“ und meine streng katholischen Eltern wurden nie müde mir zu erzählen, dass dies eigentlich gar kein christliches Fest sei.

Nichtsdestotrotz hatte die Stille und Besinnlichkeit mit ihren langen Nächten für mich immer eine tiefere Bedeutung. Der Kerzenschein, die Ruhe, wenn praktisch alle daheim bei der Familie sind. Aber immer weniger verbinde ich das mit den Worten „Weihnachten“ und „Fest“. Die Stade Zeit ist einfach auf rein natürliche Art eine Stade (in Bayern bedeutet „stad“ = ruhig, stillstehend) Zeit, dafür brauche ich kein Fest, das mehr Hektik und Stress verbreitet anstatt uns zur Ruhe kommen zu lassen!

Bis ins letzte Jahr habe ich immer noch versucht, es an Weihnachten ein bisschen festlich zu gestalten, wenigstens ein paar Kipferl, Kerzen und Punsch zu haben und auch den Tieren eine kleine Freude zu bereiten. Hatte meine von einem großen schlesischen Hof stammende Oma doch immer gesagt: „In der Heiligen Nacht sprechen die Tiere. Und sie sollen ja gut über uns sprechen!“

Und dennoch fällt mir von Jahr zu Jahr mehr auf, dass die Feierlichkeit und Stille der Weihnachtstage für einen teuren Preis erkauft sind: Wie viel Hektik, Stress und oft gar Streit entsteht nur um dieses Fest vorzubereiten?

Bereits in den vergangenen Jahren haben wir nach und nach das Schenken reduziert, nur meiner Tochter macht es noch Spaß, anderen eine unerwartete Freude zu machen (sie sucht wochenlang nach wirklich erfreuenden Kleinigkeiten) … und so lasse ich mich auch dieses Jahr ein wenig anstecken und kaufe dann doch noch kurz vor knapp echten Parmaschinken und Wein für meinen Lebensgefährten und eine Flasche echten russischen Wodka für meinen Sohn. Für die Tochter habe ich das sorgsam ausgewählte Buch schon seit Wochen zuhause. Aber die wird wohl dieses Jahr gar nicht kommen. Zumindest nicht heute und vielleicht auch erst nach den Feiertagen.

Und ganz spontan entscheide ich mich heute beim Hupen des Postautos eine Packung Mozartkugeln aus den Vorräten zu kramen und sie mit einem strahlenden Dankeschön dem Postboten zu überreichen, der bis zuletzt Dienst tut.

Tja und nun? Gehe ich hinaus in den Stall und füttere schmackhafte Kräuter mit einer Portion Extrahafer an die Pferde, Schafe und Hühner. Und danach? Vielleicht backe ich doch noch zumindest eine kleine Portion Vanillekipferl, die alle so gern essen …  Aber großes Festessen gibt es diesmal definitiv nicht. Nicht nur, weil es mir zu viel Arbeit wäre. Mehr, weil es von meinen beiden Männern sowieso nicht gewürdigt wird. Wobei, das ist so nicht korrekt. Gewürdigt wird es schon, aber genauso sehr, wenn es an einem anderen Tag auf dem Tisch steht. An einem Tag, an dem ich einfach aus der spontanen Laune heraus Lust habe, in der Küche etwas zu zaubern.

Und so ist heute für mich FAST ein Tag wie jeder andere, nur dass morgen und übermorgen die Geschäfte zu sind …

Frohes Fest!

 

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  • Liebe Zenzi, das hast Du schön geschrieben ! Ich wünsche nicht nur Dir, sondern allen Gleichge-Sinn-Ten viel inneren Frieden, Gelassen-Heit, Hoffnung, Mut und Zuver-Sicht.

  • Ja, ein schöner Text. Wir machen es mit den Traditionen so: Wenn es sich gut anfühlt, machen wir es. Wenn es lästig ist, dann nicht. Alles kann, nichts muß. Und die Zeit ist jetzt einfach magisch. Man spürt das. Und ich habe heute sogar das Waschbecken im Badezimmer poliert.

  • Sehr schön hast du das gesagt. Aber sag mal: Hat es bei euch echt so geschneit oder ist das ein älteres Bild? Frohe Weihnachten!

    • Ich gebe zu, das Bild ist schon 10 Tage alt. Reste vom Schnee sind zwar noch da, aber sooo schön weiß ist es auch bei uns hier im Bayerischen Wald nicht mehr 😉

  • Ja und dann kam sie doch. Ich stand grad am Herd und formte Kipferl für das zweite Blech, da hörte ich die Hunde draußen in wilder Freude bellen, da kam schon der erste Keim Hoffnung auf. Als dann auch noch die Haustür sehr schwungvoll zugeworfen wurde, fühlte die Hoffnung sich bestätigt und dann ging die Wohnzimmertür auf und mit einem kalten Luftzug kam sie herein: meine liebe Tochter mit einer riesigen Tasche voll Geschenke 🙂
    Wir hatten ein wunderbar friedliches Fest und genießen noch jetzt die Kipferl, die bei Mutti halt am besten schmecken und gucken die alten Weihnachts-Klassiker (aktuell den kleinen Lord) <3

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