Gute Kinderstube?

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Ach, hat das mein armes Mutterherz erfreut, als meine Tochter mir vor ein paar Jahren sagte, sie sei mir so dankbar für ihre tolle Kindheit und dass ich, ihre Mutter, sie genau so erzogen habe!

Ja. Ich hatte scheinbar alles richtig gemacht. Obwohl ich doch so oft eine Rabenmutter gewesen war. Obwohl meine armen Kinder nicht jeden Trend mitmachen konnten, da ich den neuesten Hype auf dem Spielzeugmarkt nicht unterstützen wollte. Obwohl ich weder Zeit noch Lust hatte mich bei den Hausaufgaben neben meine Kinder zu setzen und „da musst du dich selbst durchkämpfen“ sagte. Obwohl ich das Gespräch beim Klassenlehrer verweigerte, weil ich für seine pädagogischen Ergüsse keine Geduld aufbrachte. Obwohl ich von meinen Kindern eigene Entscheidungen forderte. Obwohl …

Ich war nie ein typisches Muttertier. Ehrlich gesagt mochte ich Kinder nie wirklich. Also Kinder als eigene Spezies meine ich. Hab mich nie darum gerissen irgendeinen Balg oder gar ein Dutzi-Dutzi-Baby „ach ist das süüüüß“ auf den Arm zu nehmen. Meine eigenen Babies wurden überall hin mitgeschleppt, am liebsten im Tragetuch, da waren sie am wenigsten im Weg und ich konnte einfach die Bluse aufmachen, dann war Selbstbedienung an der Milchbar. Knoblauchgeschmack hatten sie zu tolerieren, wenn sie nicht verhungern wollten. Und sobald sie selbst reden konnten, behandelte ich sie wie – ja wie eigentlich? Wie kleine Menschen, die noch viel lernen mussten. Aber ich machte halt nie viel Aufhebens drum. Sie waren Teil meines Lebens. Aber eben nur ein Teil, nicht einziger Inhalt. Oh ja, ich war immer schon ziemlich egoistisch 😉

Tja, nun sind sie erwachsen. Ziemlich erwachsen sogar. Mein Sohn über 30. Meine Tochter auch schon Mitte 20. Und sie denken selbst!

Mein Sohn ist in Bezug auf Corona ein ziemlicher Opportunist. Ihn betrifft es derzeit noch nicht direkt. Und für den Fall der Fälle hat er genügend Kontakte, auch solche die ein „Impfzentrum“ haben.

Meine Tochter hingegen leidet schwer. Ihr Freund hat sich letzten Monat impfen lassen, weil er nicht an Verschwörungstheorien glaubt und er einfach in Ruhe gelassen werden will. Er nimmt ihre Ängste nicht ernst, auch nicht die Sorgen, die sie sich macht, weil inzwischen ganze Berge und Wälder an der Börse gehandelt werden.

Tja nun. Ich bin bereits in der zweiten Lebenshälfte und auch nicht mehr ganz gesund. Mein Leben habe ich in vollen Zügen (nicht in überfüllten Eisenbahnen) genossen. Hatte mehrere Auszeiten in verschiedenen Teilen der Erde, war glücklich und unglücklich verliebt, habe über die Stränge geschlagen. Und ich bin Mutter von zwei echten Menschen.
Ich habe einige meiner großen Kindheitsträume verwirklichen können. Ich hatte Chancen. Manche habe ich genutzt, viele nicht. Aber es war immer meine freie Entscheidung.
Wenn mein Leben morgen zuende ist, dann ist es eben zuende.

Und was hinterlasse ich dann? Eine Tochter, die selbst denkt, die bald aus der Gesellschaft ausgeschlossen sein wird, die ihre Entscheidungen bald nicht mehr selbst treffen darf. Und die schwer darunter leidet.

Hätte ich sie nicht doch besser dem Mainstream folgend erzogen? Hätte sie es nicht leichter, wenn sie NICHT darüber nachdächte, ob die Spritze sie vielleicht genetisch verändert und ihr Immunsystem zerstört? Wäre es nicht besser für sie, sich in die Situation zu ergeben und eben in 2030 besitzlos glücklich in einer weitgehend virtuellen Scheinwelt zu sein?

Tja. Vielleicht bin ich halt doch kein gutes Muttertier 🙁

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  • Bei mir lief vieles ähnlich – und jetzt ist alles anders. Meine Tochter ist angepasst bis zum Gehtnichtmehr und glaubt, sie ist anders. Ich bin die, die nicht mitmacht, sie akzeptiert es, aber hinterfragt nichts. Was kann ich tun? Nichts. Hoffen, dass ihr nichts passiert. Meine Kräfte dort einsetzen, wo es vielleicht was bringt.

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